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Über den gemeinsamen Sprachgebrauch in Ost und West, seine Probleme und kreativen Möglichkeiten

In dieser Arbeit über den neueren deutschen Sprachgebrauch in Ost und West soll nicht das Trennende betont werden, sondern das gemeinsame Spracherbe und seine Wirkung in der Gegenwart. Aber eine Beobachtung gegenüber vielen kritischen Stimmen aus West und Ost sei, in völlig unpolemischer Absicht, nicht verschwiegen: Zu viele sprachkritische Artikel aus der Bundesrepublik haben in der Vergangenheit von der aus Texten bekannten offiziellen Sprache der DDR-Machthaber zu direkt auf die wirklich gesprochene Sprache der Bevölkerungsmehrheit geschlossen, und zu viele DDR-Sprachwissenschaftler und Polemiker haben auf die westliche Kritik vor allem als Verteidiger des politischen Kurses der SED reagiert, aus welchen persönlichen Gründen auch immer. Gedruckt worden wären andere Meinungen in der DDR allerdings nicht, und der Karriere waren sie auch nicht förderlich. Trotzdem gilt: Die deutsche Sprache hat sich in Ost und West auf jeweils spezifische Weise weiterentwickelt, sie wurde aber nicht gespalten und funktionierte in Ost und West und – trotz spürbarer Unterschiede – zwischen Ost und West als gemeinsames Verständigungsmittel, wo immer sie dafür benutzt wurde. Zwischen den Begriffen „Sprachwandel“ und „Bezeichnungswandel“ muss sorgfältig unterschieden werden. Im kreativen Umgang mit dem gemeinsamen Deutsch haben sich Ost und West längst wieder zusammengefunden. Genauere Untersuchungen über das Alltagsdeutsch in der DDR sind sehr zu wünschen, die Schaffung eines brauchbaren Korpus dafür ist im Nachhinein nicht einfach, sollte aber in Angriff genommen werden.

This article on recent German linguistic usage in east and west stresses not the differences, but the common linguistic heritage and its effect in the present. However, one observation on many critical views from both west and east may be allowed, without any polemical intention: Too many articles on this issue from the Federal Republic have in the past made a direct connection between the official language contained in texts published by the GDR ruling elite and the genuine spoken language of the majority of the population, and too many GDR linguists and polemicists have reacted to western criticism first and foremost as defenders of the political course of the SED, for whatever personal reasons. It must be acknowledged, of course, that other views would not have been published in the GDR and that they would not have been conducive to people’s careers. Nevertheless it is true that the German language developed in specific ways in east and west, but that it was not split and functioned in east and west and as a common means of communication wherever it was needed – in spite of noticeable differences between east and west. The terms “linguistic change” and “change of designation” must be carefully differentiated. East and west have long since come together in the creative use of the common German language. More precise studies of the everyday German in the GDR would be very desirable, and although the creation of a useable corpus of this variety after the event would not be easy, it should be undertaken.

Seiten 97 - 129

DOI: https://doi.org/10.37307/j.1868-775X.2009.02.03
Lizenz: ESV-Lizenz
ISSN: 1868-775X
Ausgabe / Jahr: 2 / 2009
Veröffentlicht: 2009-10-29
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