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Inhalt der aktuellen Ausgabe 02/2017

Inhalt

Inhaltsverzeichnis/Impressum

Aufsätze

Illusionspolitik – Der Brexit als Offenbarungseid des „Systems Whitehall“?

The EU-Referendum on the secession of Britain from the European Union (“Brexit”) remains one of the most controversial developments in the United Kingdom since the Suez-Crisis of 1956. Its legal, political and psychological implications are of staggering complexity with long-term implications for the future of the UK and indeed the EU. This article examines the question whether British policy-making and the country’s constitutional structure were sufficiently equipped to deal appropriately with the immediate aftermath of the referendum on 23 June 2016. Furthermore, it examines the psychological and cultural implications of this decision to leave the EU after forty years of membership.

Die faustische Leinwand. Faust in den ersten fünfzig Jahren der Filmgeschichte

Diese Untersuchung verfolgt Fausts Weg durch den Film von den Anfängen des Mediums bis zur Mitte der 1940er-Jahre. Die filmische Aneignung und Fortsetzung der Faust-Sage, im Dialog hauptsächlich mit dem ersten Teil von Goethes Tragödie, mobilisierte die Beziehungen zwischen Literatur und Film in deren ganzen Breite. Während von Méliès bis Murnau der weite Kreis der Verfilmungsmöglichkeiten ausgeschritten wurde, entfalteten sich namentlich von Fritz Lang über Edwin Redslob bis zu W. S. Van Dyke wichtige Prozesse jenseits der Adaptation, die nachfolgend als Fusionen, Zitationen und Dokumentationen beschrieben werden.

Literarische Lichteffekte in Deleddas Canne al vento

Deleddas Prosa ist durch einen beträchtlichen Anteil an deskriptiven Passagen charakterisiert. Vor allem in ihrem Roman Canne al vento (1913) nehmen die beschreibenden Elemente einen ähnlich hohen Stellenwert wie die Narration selbst ein. Dabei ist es auffällig, dass innerhalb der Deskriptionen dem Einsatz von Lichtverhältnissen eine besondere Rolle zukommt, mit der sich bis dato noch keine Studie eingehend beschäftigt hat. Folgender Beitrag setzt sich deshalb zum Ziel, die Besonderheiten der Lichteffekte in Canne al Vento zu analysieren.

Narrative Komplementarität. Zur Frontwahrnehmung in den Kriegstagebüchern von E. Jünger und C.E. Gadda

Der Aufsatz untersucht die non-fiktionalen Kriegstagebücher zweier Autoren, die am Ersten Weltkrieg als Offiziere teilnahmen und die ihre Wahrnehmung der Front in kontinuierlichen Aufzeichnungen festhielten. Der Vergleich von Ernst Jüngers Kriegstagebuch und Carlo Emilio Gaddas Giornale di guerra e di prigionia zeigt, in welcher Weise die Aufzeichnungen beider Tagebuchschreiber das Leben an der Front erzählerisch registrieren und welchen Aussagewert insbesondere die dichten Beschreibungen hinsichtlich ihrer Wahrnehmung des Krieges haben.

El mito de Don Juan en el siglo XXI: Hacia un levantamiento vertical del cuerpo

Die Charakterisierung der Figur des Don Juan ist seit ihrer Entstehung von einem Diskurs von und über den Körper gekennzeichnet. Diese Diegese des Körpers verdichtet sich im spanischen Theater des 21. Jahrhunderts. Die damit verbundenen notwendigen Umgewichtungen und die hieraus resultierende neue Funktionalität des Mythos veranlassen Antonio Gala zu einer Auseinandersetzung mit dem Mythos über das biblische Bild des noli me tangere in seinem Stück Inés desabrochada (2003), während Jesús Campos García in d.juan@simétrico.es (2008) den Don Juan-Mythos bearbeitet, um eine harsche Kritik an der moralischen und physischen Verstümmelung des Menschen zu üben, der durch das Internet Vorschub geleistet wird.

Saint Augustin, figure tutélaire d’Assia Djebar

Dans l’œuvre d’Assia Djebar, saint Augustin est présent comme une véritable figure tutélaire. Sans pour longtemps prendre le devant de la scène, sa vie et ses écrits offrent à l’auteure au cours de sa carrière des motifs toujours nouveaux pour se pencher sur les textes et la biographie de l’illustre Africain, relation qui passe tout d’abord par ce qui leur est commun à tous les deux : leur origine berbère et le rapport ambivalent à la langue maternelle. Augustin fait son apparition déjà dans le recueil Poèmes pour l’Algérie heureuse (1969) et il continue d’être présent dans son œuvre jusqu’à sa mort (2015).

Das Unschickliche als Inspiration lexikalischer Neuschöpfung. Lexikographische und lexikologische Bemerkungen zum burlesken Wortschatz des Französischen insbesondere im 17. Jh.

Im Gegensatz zum Wortschatz der sogenannten klassischen Autoren hat sich derjenige der burlesken Autoren im 17. Jh. – wie auch im vorhergehenden – keinerlei Begrenzungen hinsichtlich Reichhaltigkeit und schöpferischer Kraft auferlegt. Dies soll anhand dreier satirischer Beschreibungen der Stadt Paris veranschaulicht werden, die kurz nach 1650 veröffentlicht wurden und mehrere lexikalische Einheiten liefern, die bislang entweder von der Lexikographie unbemerkt geblieben oder mit ungenauen Daten hinsichtlich ihrer Erstbelege versehen worden sind. Dabei ist es nicht überraschend, dass eine Auswahl von Ausdrücken, die der burlesken Literatur entnommen wurden, einen hohen Anteil an Schimpfwörtern und Spottbezeichnungen enthält.

Kleinere Beiträge

Blowing the pris in the Middle English Debate between the Body and the Soul

The Middle English Debate between the Body and the Soul concludes with the memorable image of the Soul being tortured and then driven into Hell by a troop of devils and their hell-hounds as if it were a fox being chased by hunters. This article argues that the hunting language and the violent imagery of this event have not received the scholarly attention they deserve, and that closer scrutiny of the different recensions of the poem reveals a textual crux concerning the blowing of the final horn-call – the pris – that can add a new dimension to critical appreciation of the depiction of this event.

“Wofully arayd” and John Skelton

This article examines the various surviving forms of the short poem “Wofully arayd”, which dates from the late fifteenth or early sixteenth centuries. It considers the transmission of the poem and assesses the grounds for believing it to have been written by John Skelton.

Shakespeare’s First Folio: Three New Publications

Published to mark four hundred years since Shakespeare’s death, Emma Smith’s two monographs on the First Folio complement each other: The Making of Shakespeare’s First Folio analyses the protracted process by which the book came into existence, the various agents who contributed to its production and the contingencies and obstacle that had to be dealt with along the way. Four Centuries of an Iconic Book, on the other hand, offers a “biography” of the book over the next 400 years by examining how owners, readers, collectors, librarians, actors, scholars, and even forgers and thieves have interacted with it. The Cambridge Companion consists of twelve essays by different authors covering much the same topics as the monographs.

Besprechungen / Allgemeines

Buch und Buchhandel in Zahlen 2016. Zahlen, Fakten und Analysen zur wirtschaftlichen Entwicklung. Ed. Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.

„Vom Umbruch zum Aufbruch“: Mit dieser Formel fasst Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, das Wirtschaftsjahr 2015 in der Buchbranche zusammen. Trotz nach wie vor wachsender Medienkonkurrenz und sinken der Buchpreise haben sich Verlage und Buchhandlungen insgesamt eine „stabile Basis“ erarbeitet, obwohl der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr 2014 um 1,4 Prozent gesunken, die Zahl der produzierten Titel aber wieder angestiegen ist. Der deutsche Buchmarkt gilt als richtungsweisend, nicht nur weil er einer der größten weltweit ist, sondern weil er auch eine allseits gelobte intakte und belastbare Struktur hat, die sich besonders in einer Kultur des Umgangs der auf ihm agierenden ‚Player‘ zeigt.

Digital Humanities. Eine Einführung. Ed. Fotis Jannidis, Malte Rehbein und Hubertus Kohle. Stuttgart: Metzler, 2017.

Obwohl „Digital Humanities“ schon seit längerem in aller Munde sind, gibt es dazu nur relativ wenig Einführungs- und Lehrbuchliteratur. Das, was es gibt, beschränkt sich, wie das Lehrbuch von Susanne Kurz, entweder nur auf einen kleinen Ausschnitt der in diesem Bereich gebräuchlichen Technologien, oder es deckt, wie das Online-Projekt „Korpus im Text“ der IT-Gruppe Geisteswissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München, lediglich bestimmte wissenschaftliche Themenbereiche ab.

„Bücher sind nur dickere Briefe an Freunde“. Festgabe für Michael Knoche. 25 Jahre Bibliotheksdirektor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek (1991-2016). Ed. Christa Jansohn und Freunde Michael Knoches (Studien zur englischen Literatur und Wissenschaftsgeschichte, 29).

Als der Bibliothekar, „der für seine Bücher durchs Feuer“ ging, hat Michael Knoche Geschichte gemacht, wie sein Laudator, Lothar Müller, zur Verleihung des Guten berg-Preises 2008 an den Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek zu Weimar, treffend bemerkte. Gemeint ist natürlich der in unserem kulturellen Gedächtnis buchstäblich unauslöschliche Augenblick der Nacht vom 2. auf den 3. September 2004, als dieses Kleinod in Flammen stand und Knoche als Mann der Tat die zweibändige Lutherbibel aus dem Jahr 1534 „aus der Werkstatt des Druckers Hans Lufft“ mit farbigen Illustrationen aus der Cranach-Werkstatt zusammen mit der Erstausgabe der Luther Übersetzung des Neuen Testaments von 1522 vor der Vernichtung durch Flammen und Löschwasser eigenhändig rettete.

Karl S. Guthke: Goethes Reise nach Spanisch-Amerika. Weltbewohnen in Weimar (Kleine Schriften zur Aufklärung, 18).

Die hier vorgelegten neuen Aufschlüsse aus den von Johann Christian Hüttner (1766-1847) aus London nach Weimar handschriftlich übermittelten Bücherschauen dienten Goethe als Grundlage für ausgewählte Neuanschaffungen für den Herzog und seine Bibliothek. Künftig wird man Goethe zusammen mit den beiden anderen herausragenden Weimarer Kennern von Reiseliteratur, Wieland und Herder, nennen müssen. Selbst für ihre Art von „Weltbewohnen in Weimar“ gilt, wie vom Jenaer Sonderforschungsbereich Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800 (1998-2010) erwiesen, daß da die Aufklärung kulminierte.

Roger Paulin: The Life of August Wilhelm Schlegel. Cosmopolitan of Art and Poetry.

August Wilhelm Schlegels Stellung unter den deutschen Romantikern ist eine besondere. Vielseitig und ein langes Leben lang produktiv, war er der europäischste von allen, National- und Universalpoet in einem. Dabei war er längst nicht nur Übersetzer, sondern auch ein ebenso begnadeter wie gefürchteter Satiriker, Kritiker und Essayist. Nicht zuletzt war er es, der die Gedanken der Romantik einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte und den interkulturellen Dialog weit über die deutschen Grenzen hinaus immer wieder aufs Neue suchte.

John Sayer: Wolf Graf Baudissin (1789-1878). Sein Leben – seine Zeit. Ein Übersetzen (Literatur: Forschung und Wissenschaft, 34).

Biography is a popular genre, albeit a perilous one, in which the balance between accuracy and readability is notoriously difficult to achieve. This challenge gives way to declinations ranging from the family chronicle to the fully manuscript-based account of the sum of intellectual or artistic achievements by a persona in the context of their time. Scholarly biographies, in particular, offer opportunities to shed light on personalities that have been neglected by our historical canon, and therefore think of our past not only as marked by monumental figures, but also as a field yet open to discoveries.

Shakespeare unter den Deutschen. Vorträge des Symposiums vom 15. bis 17. Mai 2014 in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz.

Die Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur veranstaltete im Mai 2014 anlässlich des 450. Geburtstags William Shakespeares und des 150. Jahrestags der Gründung der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft (1864) ein fächerübergreifendes Symposium unter dem Titel “Shakespeare unter den Deutschen”, in dem die Wirkung seiner Werke in Wissenschaft, Literatur und Musik gleichermaßen berücksichtigt und die kontextbezogene Aktualität der Texte neu beleuchtet wurden. Der achtzehn Beiträge umfassende Sammelband, dem die CD-ROM “Shakespeare by Numbers.

Paul Franssen: Shakespeare’s Literary Lives. The Author as Character in Fiction and Film.

Paul Franssen’s fascinating and astonishingly wide-ranging study often suggests that Shakespeare’s (supposed) “life” has been even more stimulating to the imagination than his own plays and poems. Perhaps that is not surprising. The severe limitations of surviving life-records have left huge “empty quarters” positively asking to be peopled with lively fiction. When did Shakespeare leave Stratford for London? What was the nature of his love life – or his religious allegiance – or his friendships?

Birgit Bernard: „Den Menschen immer mehr zum Menschen machen“. Ernst Hardt 1876–1947 (Bibliothek des Journalismus, 3).

„Bunt ist das Leben“ hieß eine 1902 erschienene Novellensammlung von Ernst Hardt – es könnte die Überschrift für dessen eigenes Leben sein. Ein Bürgerkind wird Kadett und zerbricht fast daran; es ringt sich durch zu einer Künstlerexistenz, streift den George-Kreis und avanciert langsam zum Erfolgsautor der ersten deutschen Vorkriegszeit.

Hans Wahl im Kontext: Weimarer Kultureliten im Nationalsozialismus. Ed. Franziska Bomski, Rüdiger Haufe und W. Daniel Wilson (Publications of the English Goethe Society. 84:3 [2015]. Special Issue).

Der vorliegende kleine Band gibt Vorträge wieder, die am 27./29. November 2014 auf einer Tagung im Weimarer Goethe-Nationalmuseum gehalten und diskutiert wurden. Teilweiser Anlass war die öffentliche Debatte über die im Weimarer Stadtrat beantragte Umbenennung der am Goethe-Schiller-Archiv vorbeiführenden Hans-Wahl-Straße (jetzt „Über dem Kegeltor“). Die Referenten der Tagung waren verschiedene Historiker und Journalisten, die sich mit der Geschichte Weimars während der Zeit des Nationalsozialismus befasst hatten.

Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung. Begründet von Kurt Ranke.

Knapp 40 Jahre (von 1975 bis 2014) hat es gedauert, in vierzehn Bänden den alphabetischen Teil der Enzyklopädie des Märchens zu publizieren, im folgenden Jahr schloß der in jeder Hinsicht gewichtige Registerband das Werk ab. Wer sich in der EM über die Bedeutung der Zahl vierzig informieren will, findet unter diesem Stichwort einen Verweis auf den Artikel «Zahl» (von Christine Goldberg, EM 14, Sp. 1107-1117), und dort liest er «40 ist die Z[ahl] der Vollendung» (Sp. 1109), mit einer Reihe von Beispielen aus der biblischen, islamischen und orientalischen Überlieferung. Daß die Enzyklopädie eine runde Sache geworden ist, wird niemand ernsthaft bestreiten können; und der Register - band erschließt die Fülle der gebotenen Information in einer Weise, die keine Wünsche offen läßt.

Besprechungen / Englisch und Amerikanisch

Andreas Fischer: Es begann mit Scott und Shakespeare. Eine Geschichte der Anglistik an der Universität Zürich.

Die Fachgeschichte der Anglistik verbindet sich im deutschen Sprachraum mit den Namen Hans Helmut Christmann, Thomas Finkenstaedt, Balz Engler, Renate Haas und Gunta Haenicke, um nur die wichtigsten zu nennen. Darstellungen einzelner anglistischer Universitätsseminare oder –institute sind selten. Am bekanntesten ist vermutlich der aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Erlanger Anglistik-Instituts im Jahr 1990 von Ulrich Bertram 1990 verfasste Beitrag. Dabei lassen wir andere Überblicke in Universitätsgeschichten (z. B. Berlin, Leipzig u. a.), die in den letzten Jahren publiziert wurden, außer Acht.

Domesday Now. New Approaches to the Inquest and the Book. Ed. David Roffe and K.S.B. Keats-Rohan.

The principal manuscript associated with the great survey of England instigated by William the Conqueror in 1085, Great Domesday, together with two other closely related ones, Little Domesday and Exon Domesday, are justly famous in the English-speaking world. However, that a manuscript is famous does not mean that it is well understood, and this is certainly true of all three of the Domesday manuscripts and the texts that they contain.

Julian of Norwich: Revelations of Divine Love. The Short Text and the Long Text. Ed. Barry Windeatt.

Barry Windeatt’s Middle English edition of Julian of Norwich’s Revelations of Divine Love is a keenly anticipated scholarly version of British Library, MS Sloane 2499 (hereafter S1) that addresses a lacuna in the corpus of editions of the work. Four decades have passed since Marion Glasscoe’s influential edition of S1, and advances in scholarship, combined with a growing appreciation of Julian’s theological expertise, attest to the timeliness of this publication.

Cecilia A. Hatt: God and the Gawain-Poet. Theology and Genre in Pearl, Cleanness, Patience and Sir Gawain and the Green Knight.

That theology is a vital, living concern for the Gawain-poet should be a truism, but his critics have not always taken him seriously in that regard. This study, although far from perfect, is welcome as a bracing attempt to correct that oversight. In particular, Hatt argues that the poet’s commitment to theology is what determines his approach to genre in each poem.

Eva von Contzen: The Scottish Legendary: Towards a Poetics of Hagiographic Narration.

Das Scottish Legendary (SL) ist eine in Schottland entstandene Sammlung von 50 Heldenleben, in nur einer Handschrift überliefert. Der Verfasser nennt sich einen Geistlichen, er listet seine bisherigen Werke, aber wo er lebt, bleibt unklar. Auch das Publikum, das er im Auge hat, lässt sich nicht fassen. Dies sind gute Voraussetzungen für eine Arbeit, wie von Contzen sie vornimmt. Ihre Stoßrichtung ist zum einen die Analyse der Erzählstrategien, die im SL vorherrschen, zum anderen versucht sie, eine Narratologie für mittelalterliche Texte zu entwickeln.

Shakespeare Jubilees: 1769-2014. Ed. Christa Jansohn and Dieter Mehl (Studien zur englischen Literatur, 27).

On the eve of the 400th anniversary commemorations of the most internationally appealing writer the world has ever known, Christa Jansohn and Dieter Mehl have produced a timely, hefty volume that examines Shakespeare celebrations from David Garrick’s Ur-Jubilee in 1769 to the present day. 18 essays and 48 black-and-white illustrations cover commemorations in Britain, Canada, France, Germany, Hungary, Bulgaria, the USA, Latin America, New Zealand, Japan, and China.

Celebrating Shakespeare: Commemoration and Cultural Memory. Ed. Clara Calvo and Coppélia Kahn.

Celebrating Shakespeare: Commemoration and Cultural Memory, a handsome volume of fifteen essays, ably edited by Clara Calvo and Coppélia Kahn, analyzes the way in which commemorative practices have shaped our idea of Shakespeare and have helped create a powerful cultural institution or, as Graham Holderness has termed it, a “myth.” Rather than comprehensive coverage, the volume deals with high points of celebration (most notably, 1816, 1864, 1916, and 1964), as well as with a number of commemorative forms that generally fall outside the purview of official celebrations.

Shakespeare in Cold War Europe. Conflict, Commemoration, Celebration, ed. Erica Sheen and Isabel Karremann (Global Shakespeare).

Dieses schmale Bändchen versammelt acht Beiträge, welche am 22. April 2014 während der von der „Société Française Shakespeare“ in Paris abgehaltenen Konferenz „Shakespeare 450“ referiert wurden. Das Panel lautete seinerzeit: „Shakespearean festivals and anni versaries in Cold War Europe 1947-1988”. Von den acht Wissenschaftler/innen stammen drei aus Großbritannien, von den anderen lehrt und forscht je eine in Deutschland, Kanada, Polen und Ungarn, ein weiterer Brite unterrichtet seit Jahren in Spanien. Dass diese sieben Shakespeare-Forscherinnen und ein Forscher auch „scholars of the Cold War“ seien – wie der Klappentext angibt – ist irrig.

Jenny Passon: Shakespeare in der Realschule inszenieren: Theatre Education zur Förderung von kommunikativer und performativer Fremdsprachenkompetenz (Fremdsprachendidaktik in globaler Perspektive, 3).

Diese Studie setzt sich mit der Tatsache auseinander, dass dem deutschen Schulsystem eine Tradition fehlt, die im anglo-amerikanischen Bildungswesen ganz selbstverständlich genutzt wird: Was man in England mit dem Fach Drama oder English Theatre Classroom (ETC) – wohlgemerkt in erstsprachlicher Instruktion – in den Fächerkanon eingebunden findet, kann hierzulande nur in “Arbeitsgemeinschaften” (AGn) von besonders engagierten Schülerinnen und Lehrerinnen (im Folgenden wird durchgängig das Femininum für alle Geschlechter verwendet) über das normale Arbeitspensum hinaus geleistet werden.

Besprechungen / Romanisch

Rosalba Galvagno (Hg.): «Diverso è lo scrivere». Scrittura poetica dell’impegno in Vincenzo Consolo.

Unter den aus Sizilien stammenden Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist Vincenzo Consolo vielleicht derjenige, der neben Stefano D’Arrigo am konsequentesten Literatur als Sprachreflexion und -schöpfung aufgefasst hat. Von seinen Anfängen, die noch im Schatten des Experimentalismus der frühen 60er Jahre stehen, bis zu den ‹barocken› späteren Texten zeichnet sich Consolos scrittura durch Plurilinguismus und Distanz zum kommunikativen Sprachregister aus.

Christiane Kruse / Rainer Stillers (Hg.): Barocke Bildkulturen. Dialog der Künste in Giovan Battista Marinos «Galeria».

Für die interdisziplinäre Erforschung von Text-Bild-Verhältnissen bildet Giovan Battista Marinos im Jahr 1619 erstmals gedruckte Galeria einen prädestinierten Fall, handelt es sich doch um den ersten neuzeitlichen Zyklus von Bildgedichten und Dichtungen über Werke der Bildenden Kunst, was in den Eikones des Philostratos sein antikes Vorbild hat. Der vorliegende Sammelband, der aus einer im Jahr 2006 an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel veranstalteten Tagung hervorging, widmet sich diesem Schlüssel werk eingehend in seinen literarischen, ästhetischen, gattungsgeschichtlichen und kunsthistorischen Facetten.

Wolfgang Matzat: Perspektiven des Romans: Raum, Zeit, Gesellschaft. Ein romanistischer Beitrag zur Gattungstheorie.

Grundlegend für Wolfgang Matzats Beitrag zur Theorie des Romans ist die Betrachtung des Spannungsverhältnisses zwischen Individuum und Gesellschaft als zentrale inhaltliche Komponente, die sich epochenübergreifend als thematisches Gattungsmerkmal heranziehen lässt. Eine strukturelle Entsprechung findet sie in der Spannungsrelation zwischen Figuren und Erzähler, die die Gegenüberstellung von individuellen und sozialen Perspektiven ermöglicht. Darauf aufbauend ist es Ziel der Studie von Matzat, sowohl richtungsweisende Beiträge zur Erzähltheorie – u.a. von Lukács, Bachtin und Genette – zu resümieren als auch eigene Akzente zu setzen und «Bekanntes in neuer Perspektive erscheinen zu lassen».

Kurzbesprechungen / Englisch und Amerikanisch

Richard Utz: Medievalism. A Manifesto.

Spitzt sich eine Krise zu, verspricht ein Manifest Orientierung. So versteht auch Utz sein Medievalism. A Manifesto. Er sieht die streng akademischen Medieval Studies seit Jahren auf dem Rückzug, während gleichzeitig die Zahl der Mittelalterinteressierten wächst und sich neben Filmen und Comics die Sphäre der Fernsehserien und Computerspiele erschlossen hat. Medievalism, der auch interessierten Nicht-Mediävisten und Laien offen steht, wird von den akademischen Forschern mit Geringschätzung betrachtet und mit Nichtachtung gestraft, wenngleich jene Außenseiter erhebliche Erkenntniszuwächse zu liefern vermögen. Neben anderen nennt Utz als herausragendstes Beispiel die Arbeit an der Burg Guédelon, einem Vorhaben in praktisch-experimenteller Mittelalterforschung, die wichtige Aufschlüsse bezüglich der damaligen Bautätigkeit liefert.

Aisling Byrne: Otherworlds: Fantasy and History in Medieval Literature.

Aisling Byrne’s comprehensive study of Otherworlds: Fantasy and History in Medieval Literature is a welcome addition to a recently expanding corpus of critical studies of magic and the supernatural in the medieval period. Other notable examples of such work include Corinne Saunders’s Magic and the Supernatural in Medieval English Romance (D.S. Brewer, 2010), James Wade’s Fairies in Medieval Romance (Macmillan, 2011) and Richard Firth Green’s Elf Queens and Holy Friars: Fairy Beliefs and the Medieval Church (University of Pennsylvania Press, 2017). I had the pleasure of reading a section of draft material of the author’s PhD thesis on Sir Gilbert Hay’s Buik of King Alexander the Conquerour when I was a Junior Research Fellow at Churchill College, Cambridge, and it is a joy to see how such work has been developed in this monograph.

Paul S. Langeslag: Seasons in the Literatures of the Medieval North.

This is a well-written and well-researched book – the title, however, is slightly misleading. What readers will find is not an account of all four seasons but a rather lengthy section on winter, followed by a much shorter section on summer. Langeslag argues convincingly that our modern concept of the four seasons, constituting both the astronomical and calendar year, is different from the medieval view; for many medieval writers, especially secular ones, winter and summer included spring and autumn. The book is largely cogent on account of its generally competent discussion of literary sources and the presentation and brief discussion of selected ‘hard facts’ of recent climatological studies.

Mittelenglische Artusromanzen: Sir Percyvell of Gales, The Awntyrs off Arthure, The Weddynge of Sir Gawain and Dame Ragnell.

Drei der wohl weniger bekannten mittelenglischen Romanzen aus dem „Artuskreis“ in einer kommentierten Edition mit deutscher Übersetzung herauszugeben, scheint in der gegenwärtigen Situation der Mittelalterstudien an deutschen Universitäten ein mutiges bzw. gewagtes Unternehmen, zu dem man Jörg Fichte besonders nachdrücklich beglückwünschen kann.

The Oxford Companion to Shakespeare. Second Edition.

Als 1966 beim New Yorker Verlag Thomas Y. Crowell Company das 1014 Seiten starke Nachschlagewerk, The Reader’s Encyclopedia of Shakespeare auf den Markt kam, schrieben die beiden Herausgeber, Oscar James Campell und Edward G. Quinn, man habe versucht, alle wichtigen Informationen zu Shakespeares Leben und Werk in einem Band zu versammeln. Und weiter heißt es in dem “Preface”: “The compact form permits convenient reference to persons, places, literary works, and other subjects relevant to Shakespeare.”.

Coleridge: Lectures on Shakespeare (1811-1819).

Coleridge’s Lectures on Shakespeare as such need no review. A new edition of them, making wide claims for user-friendliness and accessibility of information, certainly does. This edition differs from its predecessors, old and not so old, standard ones like Everyman, Raysor, Harbage and Foakes. It publishes the text of the Lectures themselves, whereas some of the editions just mentioned give a thematic account of Coleridge’s Shakespeare criticism on a play-by-play basis, extracted from Coleridge’s various writings. The editio princeps of the Lectures, by R. A. Foakes, is based on Coleridge’s notes and transcripts and, while definitive, is understandably hard to use by a more general readership, not least by potential students.

Matthias Hölte: Shakespeare und Tarot. Die Sonette.
Das Sonett und die Musik. Poetiken, Konjunkturen, Transformationen, Reflexionen. Beiträge zum interdisziplinären Symposium in Heidelberg vom 26. bis 28. September 2012, ed. Sara Springfeld, Norbert Greiner und Silke Leopold.

„Sonette find ich sowas von beschissen, / so eng, rigide, irgendwie nicht gut;…“ schreibt Robert Gernhardt in seinem Sonett „Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs“. Diese despektierlichen Zeilen halten offenbar vor allem deutsche Hobby-Übersetzer/innen nicht davon ab, immer wieder und wieder Shakespeares 154 Sonette entweder komplett oder teilweise ins Deutsche zu übertragen, wie dies auch die umfangreiche Online-Bibliographie „Shakespeares Sonette in Deutschland“ (2016) zeigt, welche neben einem Gesamtverzeichnis drei weitere Rubriken („Theater“, „Lyrik“ und „Kunst“ [Musik]) dem an der Sonett-Rezeption in Deutschland interessierten Leser zeigt.
 

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