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Inhalt der aktuellen Ausgabe 01/2018

Inhalt

Inhaltsverzeichnis / Impressum

Aufsätze

Der Körper der Königin: Zum Verständnis der Dido-Figur in Heinrichs von Veldeke „Eneasroman“

Vor dem Hintergrund gender- und herrschaftstheoretischer Überlegungen wird die erzählerische Darstellung des weiblichen Körpers in der Dido-Episode des „Eneasromans“ analysiert. Die fehlende Beschreibung von Didos Körper zu Beginn der Episode wird dabei darauf zurückgeführt, dass ihr biologischer Körper mit Macht unvereinbar ist. In dieser Perspektive erklärt sich Didos Untergang durch die spätere Beschreibung ihres Körpers als Objekt sexueller Begierde und dessen ‚Inbesitznahme‘ durch Eneas.

Laudine trauert. Identitätskonstituierung durch Trauerperformanz in Hartmanns von Aue „Iwein“

Der Beitrag untersucht die Klageszene der Laudine in Hartmanns von Aue „Iwein“ unter Rückgriff auf Judith Butlers Kategorie der Performativität von Geschlechtsidentität. Im Zentrum steht dabei die Frage, welche Spezifika das der Laudine-Figur mittels der Trauerperformanz attribuierte Identitätsmodell aufweist und in welcher Relation dies zu dem in der Enite-Klage des „Erec“ realisierten Identitätsmodell steht. Anhand textnaher Analysen wird herausgearbeitet, wie im „Iwein“ über die Abkehr von weiblich codierten Mustern des Trauerns soziale Normierungen problematisiert werden.

Erzählen zwischen Ursprungsmythos, Genealogie und Chronistik. Narrative in mhd. Klostergründungsgeschichten am Beispiel des „liber fundatorum“ des Klosters Zwettl

Der Aufsatz untersucht Klostergründungsgeschichten auf ihnen zugrundeliegende (mythische) Narrative. Am Beispiel der Ursprungserzählung des Zisterzienserklosters Zwettl kann gezeigt werden, inwiefern heldenepische Erzählmuster, Mirakelerzählung und Raumkonstituierung ein umfassendes Gründungsnarrativ entwerfen, das kulturelle Logiken von Adel und Klerus gleichermaßen bedient. Sowohl genealogische Ansprüche der Klosterstifter, der Kuenringer, wie auch klerikale Ansprüche auf eine überzeitliche sakrale Geltung des heiligen Klosterraumes konvergieren so im Gründungsbuch Zwettls. Auf ein Bild gebracht werden beide Ansprüche im Kreis, der sowohl als (rechtliches) Symbol, als Metapher und als Erzählstruktur die Zwettler Gründungsgeschichte bestimmt und diese damit auf ein genuin mythisches Narrativ perspektiviert. Dass aber so gleichzeitig der narrative Status der Ursprungserzählung ein prekärer zu werden droht, da keine grundlegende Differenz zwischen Anfang und Ende mehr besteht, thematisiert der Aufsatz abschließend.

‚Sprachgeschichte des Deutschen‘ – Versuch einer neuerlichen Diskussion

Vor gut einem Jahr rückte die seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im intellektuellen Diskurs stets virulent gebliebene Frage nach der gesellschaftlichen Funktion der Germanistik wieder einmal und durchaus zeittypisch als mediale Kurzerregung in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit. Auf immerhin sechs Seiten nahm sich Martin Doerry im SPIEGEL Raum, um über die ‚Krise der Germanistik‘ zu handeln. Darauf wurde von verschiedener Seite rasch und z.T. auch vehement reagiert. Dass die Reaktion erststellig seitens der Literaturwissenschaft erfolgte, nimmt nicht wunder, da „Ihr – und nicht der Sprachwissenschaft – […] die Schläge der vergangenen Woche [galten]“. In dieser Engführung Doerrys primär auf die Literaturwissenschaft, die das Fach nicht aus seiner vom Gegenstand gegebenen Gesamtheit und also nicht von seinem identitären Kern heraus beurteilt, zeigt sich ein nur mangelhaftes Verständnis eben dieses Faches.

Was ist deutsch oder was ist Deutsch? Fragen an die Sprachgeschichte

Die Sprachgeschichte (und damit auch die Sprachgeschichtsschreibung des Deutschen) ist ein offenes und sehr weites Feld, das nicht nur disziplinär sehr unterschiedlich strukturiert und bearbeitet wird, sondern vor allem auch in der außerdisziplinären Diskussion im Blick ist, wie Publikumsbücher und Feuilletonbeiträge zeigen. Dem entspricht auch, dass in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt im Kielwasser der Studienreformen zahlreiche neue Sprachgeschichten erschienen sind, die sich in sehr unterschiedlicher Weise diesen Anforderungen stellen. Zu denen gehört, dass der Praxis der Sprachgeschichte (als wissenschaftlicher Disziplin) die theoretische Selbstvergewisserung vorausgehen sollte, die dabei über den tradierten disziplinären Schatten springen und fest gewordene begriffliche Schematisierungen auflösen muss: angefangen bei der Konzeptualisierung des Gegenstands als Deutsch (ausgerichtet auf die moderne Schrift- bzw. ‚Hoch‘-Sprache) bis hin zu den deskriptiven Indikatoren der angesetzten ‚Epochengliederung(en)‘. Einen Versuch eines in diesem Sinne offeneren Zugangs, der einerseits auf ein nicht professionell ‚germanistisch‘ ausgerichtetes Publikum (gerade auch in der universitären Hörerschaft) abstellt, andererseits den Horizont der analytischen Betrachtung über eine Rückprojektion des heutigen ‚Deutsch‘ hinaus öffnet, habe ich in „Was ist deutsch? Die Entwicklung der sprachlichen Verhältnisse in Deutschland“ (2012/2014) vorgelegt: Die gespaltene Reaktion auf diesen von den meisten Sprachgeschichten abweichenden Weg macht die Schwierigkeiten im Fach recht deutlich. Dieser Beitrag versucht, das analytische Feld der Sprachgeschichtsschreibung für das Deutsche transparent zu machen.

Zur Kasusbezeichnung im Hoch- und Niederdeutschen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. Ein Vergleich

Mit dem 15. Jahrhundert entsteht im deutschen Sprachraum eine reiche zweisprachige lateinisch-deutsche Grammatikliteratur, die die Entwicklung einer volkssprachlichen grammatischen Terminologie vorantreibt. Ziel dieses Beitrags ist die Untersuchung der unterschiedlichen Wortwahl in der spätmittelalterlichen bzw. frühneuzeitlichen hochdeutschen und niederdeutschen grammatischen Überlieferung mit besonderem Augenmerk auf eine bestimmte Gruppe von Fachwörtern, nämlich die Kasusbezeichnungen anhand der Zeugnisse zweier grammatischer Texte des ausgehenden 15. Jahrhunderts: einer Heidelberger lateinisch-hochdeutschen Bearbeitung des „Donatus minor“ einerseits und dem mittelniederdeutschen „Tractatulus dans modum teutonisandi casus et tempora“ andererseits.

Buchbesprechungen

Bernd Bastert (Hg.): Herzog Herpin. Kritische Edition eines spätmittelalterlichen Prosaepos

Trotz des anhaltenden Erfolgs des Prosaepos von Herzog Herpin, welches noch in Feyerabends Buch der Liebe Aufnahme fand, lag eine Edition der ausufernden und verzweigten Familiengeschichte mit der für die Drucke titelgebenden Helferfigur des weißen Ritters bislang nicht vor. Dieser Aufgabe hat sich Bernd Bastert angenommen, der mit der „Chanson de geste-Rezeption im deutschsprachigen Raum“ in besonderer Weise vertraut ist. Damit ist nun auch derjenige Text in einer modernen Ausgabe verfügbar, welcher innerhalb der lockeren zyklischen Abfolge der am Saarbrücker Hof entstandenen Epen den Anfang zu bilden gedacht war (S. XII).

Luise Kempf: Adjektivsuffixe in Konkurrenz

Diese Mainzer Dissertation zur diachronen Entwicklung der adjektivischen Suffixderivation im Zeitraum von 1350 bis 1800 knüpft an bereits vorliegende Ergebnisse zum Wortbildungssystem des Adjektivs an. Zu nennen sind hierbei insbesondere die Arbeiten von Ganslmayer zur mittelhochdeutschen Urkundensprache, von Thomas zur Wortbildung des Nürnberger Frühneuhochdeutsch um 1500, von Pounder zur sich in Wörterbüchern spiegelnden denominalen Suffixderivation des 16. bis 18. Jahrhunderts sowie von Kühnhold/ Putzer/Wellmann zur geschriebenen Gegenwartssprache.
 

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