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Inhalt der aktuellen Ausgabe 03/2017

Inhalt

Inhaltsverzeichnis / Impressum

Aufsätze

Leben als Form. Überlegungen zum mittelalterlichen Roman am Beispiel der Gahmuret-Figur in Wolframs von Eschenbach „Parzival“

Der Beitrag setzt sich aus mediävistischer Perspektive mit den Thesen Rüdiger Campes zur Genese des Romans in der Frühen Neuzeit auseinander. Anhand der Gahmuret-Geschichte in Wolframs von Eschenbach ‚Parzival‘ wird ein Einzelschicksal, das sich vom Kollektiv absetzt, vor Augen geführt. Recht und Religion bleiben dem Gahmuret-Leben äußerlich. Daher kann das Leben Gahmurets als Ablösung epischer Totalität durch romanhafte Singularität gelten. Formen romanhaften Erzählens sind demnach auch bereits im Mittelalter beobachtbar.

Der Held im Wald der Stimmen. Zur programmatischen Dialogizität des „Wigalois“

Stimme und Modus stehen als analytische Kategorien im Mittelpunkt dieser Untersuchung des „Wîgâlois“ Wirnts von Grafenberg. Die Studie legt mit Hilfe des Genette’schen Instrumentariums die unterschiedlichen Erzähler, Perspektiven und Wissensbestände dar, die nicht auf unterschiedlichen Erzählanlässen oder Gattungsinterferenzen beruhen, sondern auf einer dialogischen Erzählstruktur gründen. Der Beitrag zeigt dabei die Möglichkeiten und Grenzen der Dialogizität (Bachtins) im höfischen Roman auf.

Ein Held, der keiner mehr sein wollte. König Ortnits Tod und das Problem, eine Heldenerzählung zu beenden

Der Titelheld des „Ortnit AW“ findet einen seltsam unheroischen Tod: Wehrlos wird er im Schlaf von einem Drachen überrascht, gegen den er unwillig und gezwungenermaßen ausgeritten war. Der vorliegende Beitrag versteht diesen Schluss als literarische Reflexion einer in der Beschaffenheit der durch Exorbitanz ausgezeichneten Heldenfigur angelegten Spannung, die es dem Protagonisten unmöglich macht, sein heroisches Dasein friedlich abzuschließen und ihn stattdessen zu immer neuen Bewährungstaten zwingt. An der Erkenntnis dieser aporetischen Gezwungenheit der eigenen Heldenhaftigkeit resignierend, erleidet Ortnit passiv sein Ende.

Vulnerabilität und Heroik. Zur Bedeutung des Schlafes im „Ortnit/Wolfdietrich“ A

Ausgehend von der paradoxen Verbindung von Vulnerabilität und Heroik soll im vorliegenden Beitrag der Frage nach der Bedeutung des Schlafes im Doppelepos „Ortnit/Wolfdietrich“ A nachgegangen werden. Wurde der Schlaf bisher vornehmlich funktional und handlungsorientiert gedeutet, wird hier der Versuch einer metaphorischen Lektüre unternommen. So kommt dem Schlaf als Todesmetapher eine zentrale Stellung in einem Wandlungsprozess zu, der als Übergangsritual beschrieben werden kann. Der Schlaf, verstanden als sinnbildlicher Ausdruck von Liminalität, verknüpft die beiden Figuren Ortnit und Wolfdietrich nicht nur miteinander, sondern lässt sie im Verlauf der Narration zu einer Figur zusammenschmelzen.

Sprache und musikalische Erfahrung. Sprachwissenschaftliche Studien zum textuellen Profil der Musikkritik

Das Schreiben über Musik verdient unter zeichen-, sprach- und medientheoretischen Gesichtspunkten Interesse, weil es sich bei Musik anders als bei Sprache nicht um ein symbolisches Bedeutungssystem handelt. Die vorliegende Studie unternimmt es, charakteristische formale Merkmale der Musikkritik zu inventarisieren, um so ihr spezifisches sprachliches Profil zu bestimmen; dies geschieht im Rahmen sprachwissenschaftlicher Modellinterpretationen, die sich mit Rezensionen zu zwei unterschiedlichen Aufführungen sowie einer Einspielung von Béla Bartóks Zweitem Klavierkonzert befassen und dabei schwerpunktmäßig das Zusammenspiel von sprachlicher Form und pragmatischer Funktion beleuchten.

500 Jahre Reformation – zugleich der lange Weg zur gesamtdeutschen Schriftsprache

In zahllosen Beiträgen wird in diesem Jahr der 1517 durch Martin Luther angestoßenen Reformation gedacht, zahlreich auch wird die weltverändernde Tat Luthers hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den Gang der deutschen Sprachgeschichte und die Herausbildung der neuhochdeutschen Schriftsprache beleuchtet und gewürdigt. Dass sich auch die „Zeitschrift für deutsche Philologie“ diesem Thema widmet, bedarf keiner näheren Begründung. Dabei sollte die kaum zu überschauende Forschungsliteratur nicht durch eine weitere Detailstudie ergänzt, sondern der Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis in einem knappen Wurf anschaulich dargestellt werden.

Buchbesprechungen

Michael Veeh: Auf der Reise durch die Erzählwelten hochhöfischer Kultur. Rituale der Inszenierung höfischer und politischer Vollkommenheit im ‚Wigalois‘ des Wirnt von Grafenberg. LIT Verlag, Berlin 2013 (Regensburger Studien zur Literatur und Kultur des Mittelalters 2) 328 S. (zugl. Diss. Freiburg/Schweiz).

Die Zeiten, in denen der „Wigalois“ des Wirnt von Grafenberg als nachklassischer, synkretistischer, ja epigonaler Artusroman abgewertet wurde, sind längst vorbei. Die narrative Struktur des Werkes sei als bewusste Collage verschiedener literarischer und außerliterarischer Bausteine angelegt, deren Synthese so glücklich nur im Rahmen der innovativen Gattung des Artusromans gelingen konnte. Dieser bekannten These von Hans-Jochen Schiewer schließt sich Michael Veeh in seiner Fribourger Dissertation an und wertet Wirnts „poetisches Verfahren“ als „einen eigenen, selbständigen Weg arthurischen Schreibens“, der gleichzeitig und gleichwertig als Alternativmodell neben dem als ‚klassisch‘ geltenden Modell Chrétien-Hartmannscher Prägung bestanden habe.

Andrea Grafetstätter: Ludus compleatur. Theatralisierungsstrategien epischer Stoffe im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Spiel. Reichert Verlag, Wiesbaden 2013 (Imagines Medii Aevi 33), 454 S. Zugl. Habil. Bamberg 2011)

Andrea Grafetstätter macht es sich in ihrer Habilitationsschrift zur Aufgabe, im Anschluss an theoretisch-begriffliche Entwicklungen in der Literatur- und Theaterwissenschaft zum Performativen und zur Performativität einen Analyseansatz zunächst für das weltliche Schauspiel zu entwickeln, der jedoch konzeptionell und methodisch den gesamten Bereich, d.h. sowohl geistliche als auch weltliche Spiele erfassen und diese unter dem Aspekt der Theatralisierung erschließen soll. Grundlegend ist die Hypothese, dass das geistliche Spiel modellgebend für das weltliche Spiel gewirkt habe.

Elckerlijc – Jedermann, hg. u. übers. v. Carla Strijbosch, Ulrike Zellmann. Münster: agenda Verlag 2013 (Bibliothek mittelniederländischer Literatur 6), 128 S.

Zur vorliegenden Studienausgabe des mittelniederländischen ‚Elckerlijc‘ lässt sich eigentlich nur ein Satz sagen: Endlich gibt es sie. Dies gilt aus verschiedenen Perspektiven: aus der Sicht des akademischen Unterrichts, für den die Bände aus der Reihe „Bibliothek der mittelniederländischen Literatur“ nicht zuletzt geschaffen wurden, aus der Sicht der Mittelalterphilologien, die sich trotz aller Absichtsbekundungen der letzten Jahre, zu einer transdisziplinären mediävistischen Kulturwissenschaft zusammenwachsen zu wollen, schon mit dem Überschreiten der sprachlichen Grenze in das Gebiet der niederdeutschen und niederländischen Varietäten in der Praxis schwertun, und hoffentlich auch für die ältere und neuere deutsche Literaturwissenschaft, welche die Jedermann-Tradition wiederentdecken könnte.

Stefan Hartmann: Wortbildungswandel. Eine diachrone Studie zu deutschen Nominalisierungsmustern. de Gruyter, Berlin, Boston 2016 (Studia Linguistica Germanica 125), XVI u. 300 S., 70 Abb.

Das Thema dieser Mainzer Dissertation ist der diachrone Wandel der -ung-Nominalisierung (Derivation) und (eher ergänzend) der Infinitivnominalisierung (Konversion), wobei „in Exkursen auch die Verbstammkonversion und das Lehnwortbildungsmuster mit dem Suffixation“ analysiert werden sollen.
 

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